Fachpraxis
Die Studierenden des Fachbereichs Grafikdesign erleben im 2. und 3. Studienjahr anhand der zunehmenden Praxisbezogenheit verstärkt Anforderungen und Erwartungen ihrer zukünftigen beruflichen Tätigkeit. Seminarräume und Werkstätten, Computerkabinette (PC- wie auch Mac) und Druckmaschinen, Fotostudio und Ateliers werden neben den Seminarräumen zu den hauptsächlichen Arbeitsorten der angehenden Grafikdesigner. Zunehmend beginnen komplexere, an späteren Arbeitsbereichen orientierte Praxisfächer die Grundlagenfächer abzulösen. Aus kleineren Übungen und ersten kleineren Projekten werden zunehmend anspruchsvollere Aufgaben, die späteren Anforderungen immer ähnlicher werden.
Selbstständiges Arbeiten fördern
Bisherige Unterrichtsfächer und Seminare beginnen mehr und mehr zu verschmelzen – neue Einheiten entstehen, und der Zusammenhang zwischen zu Beginn der Ausbildung vielleicht noch einzeln wirkenden Fächern wird zunehmend deutlicher. Immer mehr sind nun die spannenden Ideen und die Kreativität der Studierenden in Verbindung mit erworbenem Wissen und weiterentwickelten individuellen Fähigkeiten gefragt. Immer weniger hat die Zeit in der Schule nun mit einer Schule gemeinsam. Eigenständige, selbstverantwortliche Projektarbeit – durch erfahrene Praxisdozenten in individuellen Einzelkorrekturen betreut – tritt in den Vordergrund. Die Studierenden beginnen, die eigene Verantwortung im Gestaltungsprozess zu erkennen und zu spüren.
Reale Projekte mit realen Partnern
Dies gelingt vor allem dadurch, dass die Projektaufgaben nun nicht mehr rein fiktive Aufgabenstellungen sind, sondern sich an der Realität orientieren – sogar oftmals echte Realität sind. Realität, entwickelt und betreut von Personen aus Wirtschaftsunternehmen, aus Politik, Kultur, Vereinen, Verbänden oder auch öffentlichen Verwaltungen. Partner unserer Studierenden sind nun also auch verschiedenste Personen, deren Herangehensweise und Anforderungen ebenso vielfältig sind wie deren Tätigkeitsfelder. Ob Vereinsvorsitzender, Kirchgemeindemitglied, Grundschuldirektorin, Landtagsdirektor oder Manager in einem internationalen Konzern – sie sind für die Dauer des Projektes die Kunden unserer Studierenden. Sie führen in Thema und Aufgabenstellung ein (Briefing), nehmen eine Zwischenpräsentation ab und erwarten in der Folge professionelle Ergebnisse und ebenso professionelle Abschlusspräsentationen. Hier wird Professionalität trainiert und Praxis nicht nur simuliert. Denn nicht selten können die Ergebnisse durchaus auch auf eine spätere Anwendung hoffen.
Konzeptionelles Arbeiten fördern
Neben der professionellen Bearbeitung einzelner Projekte werden im letzten Studienjahr zunehmend auch die konzeptionellen Fähigkeiten unserer Studierenden im Grafikdesign gestärkt. Fächerübergreifende Projekte mit vielfältigen Einzelbestandteilen gilt es nun unter einem gegebenen Thema in konzeptionell geeigneter Weise professionell zusammenzuführen. Nicht nur das einzelne Produkt an sich – beispielsweise das Plakat, das Logo, der Briefbogen oder der Flyer – stehen im Mittelpunkt der Arbeit, sondern vielmehr die Entwicklung eines Konzeptes, das eine Vielfalt an Einzelprodukten vereint, deren Gestaltung, Einsatz und Anwendung auch im zeitlichen Ablauf regelt, finanzielle Rahmenbedingungen berücksichtigt und dabei immer wieder die Wirkungen auf die Zielgruppe hinterfragt. Hier entsteht das große Ganze – hier wird deutlich, wie komplex aber vor allem auch spannend visuelle Gestaltungsprozesse sind – und wieviel Verantwortung Grafikdesigner als Entscheidungsträger in diesen Prozessen tragen. Verantwortung gegenüber dem Kunden, der das finanzielle Risiko trägt aber auch Verantwortung gegenüber der Zielgruppe, die es durch die eigenen Kommunikationsideen zu erreichen und nicht selten zu beeinflussen gilt.
Grafikdesign oder Kommunikationsdesign?
“Grafikdesign” in Schwerin – “Kommunikationsdesign” in Leipzig. Blickt man ins Internet oder auch in Prospektmaterial verschiedenster Schulen und Hochschulen, sprechen auch diese mal von Grafikdesign und mal von Kommunikationsdesign. Ist es nun das Gleiche, oder wo liegt der Unterschied?
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Mit ersterem, also Grafikdesign, können viele noch etwas anfangen. Kommunikationsdesign hingegen klingt total anders und müsste demnach ja auch etwas anderes sein. Die Realität aber ist, Kommunikationsdesign und Grafikdesign sind genau genommen zwei Begriffe für den gleichen Inhalt. Wie “Pfannkuchen” und “Berliner”, “Wiener” und “Frankfurter”, “Kartoffelpuffer” und “Reibekuchen”… Die Liste kann beliebig lang fortgeführt werden.
Kommunikationsdesign ist dabei einfach der jüngere von beiden Begriffen, vielleicht der modernere – Grafikdesign hingegen der seit Jahrzehnten in Wirtschaft und Gesellschaft etablierte. Über den Grund, warum nun unbedingt Kommunikationsdesign eingeführt und etabliert werden musste, kann man sich streiten. Der Begriff Kommunikationsdesign soll, so deuten es viele, den breiter gewordenen Aufgabenbereich des Grafikdesigners darstellen. Ihm stehen im kreativen Gestaltungsprozess heute deutlich mehr Mittel und Wege der Kommunikation zwischen dem Kommunikator und dem Rezipienten – also dem, der die Botschaft versendet und dem, der sie empfangen und verstehen soll – zur Verfügung. Speziell seit der Etablierung des Internet und der damit verbundenen Produkte, schien der Wunsch nach einer neuen Begrifflichkeit groß. Kommunikationsdesign wurde geboren. Außerdem soll Kommunikationsdesign die Ganzheitlichkeit des Aufgabenbereiches symbolisieren – nicht mehr die Assoziation mit einzelnen Produkten wie Plakaten, oder Flyern, oder Logs soll im Mittelpunkt stehen, sondern eher das gesamte Konzept. Aber genau dies umfasst unsere Ausbildung zum Grafikdesigner auch. Dafür müssen wir es nicht Kommunikationsdesign nennen.
Ob der Begriff Kommunikationsdesign also irgendwann den Begriff Grafikdesign ablöst oder nicht, wird sicherlich die Zukunft zeigen. Vorerst ist Kommunikationsdesign noch ein Trend der Moderne. Allerdings muss man ja auch nicht jeden modernen Trend mitmachen. Daher nutzen wir nicht Kommunikationsdesign, sondern bleiben bei dem Begriff Grafikdesign. Dem etablierten Begriff für den gleichen Inhalt.
Dieser Entwicklung folgen wir nun im Rahmen des Starts unseres neuen Standortes in Leipzig. Während der Bereich “Grafikdesign” in Schwerin weiter “Grafikdesign” heißt, wird er in Leipzig bereits den Namen “Kommunikationsdesign” tragen. Die abschließende Änderung in Schwerin ist mittelfristig nicht ausgeschlossen…


